News & MediaDie Filmbloggerin
05. OKT - 14. OKT 2017

Die Filmbloggerin

Die Filmbloggerin von unserem Hauptpartner Commerzbank sieht sich während des Festivals drei Filme aus der Sektion Eurovisuell an und schreibt über sie. Die Filmauswahl traf sie selbst und entschied sich mit Safety First, In Front Of Others und Maikäfer flieg für drei Produktionen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die Vielschichtigkeit unserer diesjährigen Euro-Sektion widerspiegelt.
Safety First – Humor trifft auf Botschaft

Das Filmfest Hamburg, Filme aus anderen europäischen Ländern, die nicht im Kino oder im Samstagabend-Fernsehprogramm gezeigt werden und englische Untertitel? Das alles ist für mich als vorübergehende Wahl-Hamburgerin und Anfängerin in der Filmbranche erst einmal ungewohnt. Deswegen bin ich zunächst mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis in den Film Safety First gegangen. Safety First ist eine belgische Komödie über eine Sicherheitstruppe, die auf dem berühmten Elektromusikfestival Tomorrowland die Künstler betreuen soll. Trotz anfänglicher Skepsis steckte die Komödie mich sofort mit ihrem eigensinnigen Humor an. Die teilweise etwas schräge und vulgäre Komik nimmt dem Film nicht die Möglichkeit, eine wichtige Message zu transportieren. Denn in Safety First geht es nicht nur um vier tollpatschige Sicherheitsbeauftragte, die von einer Katastrophe in die nächste stolpern. Es geht auch um die rührende Liebesgeschichte zwischen zwei Männern und vor allem darum, wie wichtig es ist, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist.

Safety First


2015, 90 Min.
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Regie:
Details & Vorstellungen  
In Front Of The Others – Eine Reise nach Island in 93 Minuten

Spätestens seit der Fußball Europameisterschaft 2016 habe ich Island in mein Herz geschlossen. In Front Of The Others hat diesen Eindruck definitiv bestätigt. Der Film von Óskar Jónasson, der bei der Premiere anwesend war, entpuppte sich schnell als herzerwärmende Liebesgeschichte. Er erzählt die Geschichte von dem introvertierten Hubert, der sich in die frisch getrennte Hanna verliebt. Um Hanna trotz seiner Schüchternheit von sich zu überzeugen, beginnt Hubert, andere Menschen zu imitieren. Mit seinem eigenartigen Charme bringt er damit Hanna zum Lachen. Doch der Drang, andere Leute zu kopieren, entwickelt sich zu einer Art Sucht, die Hubert nicht mehr kontrollieren kann. Letztendlich droht die Beziehung zwischen ihm und Hanna an seinem Problem zu scheitern.

Der Zwang, andere Menschen zu imitieren, scheint zunächst eine lustige, jedoch eher unrealisitische Idee zu sein. Doch wer genauer hinsieht, erkennt in Huberts Problem eine Metapher für jede weitere Art von Kontrollverlust. So zeigen sich im Film beispielsweise Parallelen zwischen Huberts Imitationen und der Alkoholsucht von Hannas Vater. Damit schafft es In Front Of The Others, Suchtprobleme auf besondere Art und Weise zu thematisieren. Eine ungewöhnliche Geschichte, die mit sympathischen Charakteren, herzerwärmenden Momenten und typisch isländischem Humor zu einem ganz besonderen Kinoerlebnis wird. Das Tolle an der Filmreihe Eurovisuell? Die Filme aus anderen europäischen Ländern versetzen die Zuschauer zumindest für ein paar Stunden in fremde Länder und Kulturen.
Maikäfer flieg – Der Krieg durch Kinderaugen

Ich gebe es zu: Eigentlich meide ich Spielfilme über den Zweiten Weltkrieg. Das hat nichts damit zu tun, dass mir nicht bewusst ist, wie unglaublich bedeutend die Thematik ist. Vielmehr liegt es daran, dass ich der Typ Mensch bin, der in Spielfilmen die entspannende Ablenkung vom Alltag sucht, positive Lebensgefühle, Komik oder berührende Liebesgeschichten. Wenn ich etwas über den Zweiten Weltkrieg dazu lernen möchte, so dachte ich, schaue ich mir lieber eine Dokumentation an. Doch der Film Maikäfer flieg der Regisseurin Mirjam Unger, welcher der dritte und letzte Film der Sektion Eurovisuell ist, den ich mir angesehen habe, hat mich eines Besseren belehrt. Denn der Film zeigt das Ende des Zweiten Weltkrieges aus einer Sicht, aus der es kein Sachtext und keine Dokumentation vermag. Die Verfilmung der Autobiografie der Jugendbuchlegende Christine Nöstlinger wird aus der Perspektive der damals neunjährigen Christine erzählt. So blickt man durch Kinderaugen auf die Zerstörung des Krieges und die Flucht einer mittellosen Familie in ein Haus, in dem sich russische Soldaten einquartieren. Für mich trafen damit zwei Welten aufeinander, die konträrer nicht sein könnten: Die kindliche Unschuld und Naivität der jungen Christine und das Chaos der letzten Züge des Krieges in all seiner Grausamkeit. Eine Mischung, die den Film zusammen mit großartigen schauspielerischen Leistungen absolut empfehlenswert macht.
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